medienzirkus

13.12.07

Prophetisch: Schlümpfe und Blocher

Politik Schweiz

Big Surprise: Blocher abgewählt, neue Bundesrätin Widmer-Schlumpf, berichtet es von allen Seiten her. Big Surprise?

Weit gefehlt. Schon in den 80er-Jahren kursierte ein animierter Film, der den heutigen Tag vorweg nahm: Er erzählt von Felsberg, dem Dorf, woher die Bundesräte kommen. Von Bundesrat Blocher, der auf seinem Schloss Rhäzüns gegen die Neue wettert und Rache androht.

Sehen Sie selbst:



Link: sevenload.com

P.S. Mit diesem Beitrag schliesst der Medienzirkus seine Berichterstattung. Danke an alle, die diesen Blog gelesen haben, egal wie häufig oder selten. Immer schön kritisch bleiben!

23.10.07

Nur jeder Zehnte hat SVP gewählt

Politik Schweiz

Schluss, Aus, Vorbei - die Wahlen 07 sind über die Bühne. Auf allen Titelseiten lesen wir vom "historischen" Sieg der SVP und der Schlappe der SP - stimmt so, wenn man die Verschiebung 03 - 07 betrachtet. Besteht die Schweiz nur noch aus Rechten? Die Zahlen zeigen ein anderes Bild:



7 508 000 Menschen leben in der Schweiz. Sie alle sind betroffen von der Politik dieses Landes, gestalten es, leben darin - kurz, das ist die Schweiz.

20.7 Prozent aber haben keine Schweizer Pass, obwohl teils hier geboren oder seit Jahrzenten unter uns - wo sie politisch stehen, ist unklar. Zwar gibt es Hinweise, dass sie etwas linker wählen würden, aber: wir wissen es nicht.

Bleiben 5 953 000 Menschen mit Schweizer Staatsbürgerschaft. Da sind jedoch viele Kinder, Jugendliche oder sonst als nicht mündig erachtete dabei - was sie denken, wissen wir nicht.

4 914 000 Menschen also dürfen tatsächlich wählen und stimmen. Tun aber ganz viele nicht - vielleicht weil die Politik sie frustriert, vielleicht weil ihnen das Ganze zu kompliziert ist, vielleicht weil sie keine Zeit haben. Wir wissen es nicht. Was sie denken, ebenfalls nicht.


Wir wissen aber, wieviele tatsächlich ihren Wahlzettel abgegeben haben: 2 404 000 Menschen, sagt die Statistik.

Deren Meinung verteilit sich wie überall berichtet an die Parteien und an die Gewählten - das also wissen wir! Und wir wissen: 29 Prozent SVP haben gewählt. In Zahlen 697 160 Menschen.


Das sind 9.2 Prozent der Menschen, die in der Schweiz leben. Jeder Zehnte könne man sagen. Immerhin, eine ganze Menge - auf ziemlich genau den gleichen Wert schafft es das links-grüne Lager und der Mitte-Block von CVP und FDP.


Schön, ist nicht alles Schwarz-Weiss in diesem Land. Nicht einmal die Schafe.




8.10.07

Krawalle nach Plan


Wahlkampfsau

"Zeter! Mordio! Was ist nur aus unserem Land geworden?" Ein paar hundert randalierende Vollidioten reichen, um die Schweiz in Aufruhr zu versetzen. Die grösste Schweizer Partei könne nicht mehr wie geplant der freien Rede frönen - nun, war das der Plan?



Wenn die SVP tatsächlich nur einen friedlichen Umzug im Sinn hatte - warum, liebe Herren Maurer, Brunner, Blocher, warum dann ausgerechnet in Bern? Warum ausgerechnet in jener viel geschmähten Bundesstadt, dem Hort der "classe politique"? Warum ausgerechnet im linken Bärchen-Umfeld, wo sich gegenseitig mehr "Autonome" die Läuse aus den Schals zupfen als irgendwo sonst in diesem Land?



Weil der Krawall einkalkuliert war. Wie kann man die Wähler besser davon überzeugen, dass es schlimm steht um die Sicherheit im Land, als wenn man sich selber glaubwürdig als Opfer präsentieren kann? Sicher, den Umzug samt Kundgebung hätte die SVP auch akzeptiert - für ihren Wahlkampf der symbolischen Politik aber sind Chaoten das ungleich bessere Zugpferd. So kann man weiter jammern, ohne Lösungen präsentieren zu müssen. Wetten, dass nächste Inserat dreht sich um Krawalle?

29.8.07

Wahlkampfsauerei à la SVP

Wahlkampfsau



Okay, es ist lange her, dass hier was Neues zu lesen war - aber hey, es war Sommer! Jetzt ist Herbst - mehr noch, es ist Wahlkampf-Herbst. Zeit für Ambitionierte, das Volk landauf, landab voll zu labern. Und: Blütezeit der Polit-Kampagnen in den Medien. Der medienzirkus wendet sich nicht angewiedert ab, er schaut hin: in der neuen Rubrik "Wahlkampfsau". Heute: die SVP.



Gut, über die Volksparteiler ziehen eh alle her, is also etwas billig. Soll uns aber nicht stören. Eins muss man der Drei-Wort-Partei lassen: Mit Inseraten haben sie's wirklich drauf bei der SVP.


Erst dieser gedruckte Schrott vom "Geheimplan gegen Blocher": Da steht zu lesen, was denn passieren wird, sollte eben dieser Herr B. im Dezember aus der Regierung fliegen. Das Schreckens-Szenario:

  • EU-Beitritt (als wären wir wegen Herrn B. nicht dabei und nicht, weil das Stimmvolk dagegen ist)


  • Höhere Staatsausgaben (als wäre nicht FDP-Merz Finanzminister, sondern Herr B.)

  • Höhere Steuern (Hans-Rudolf Merz heisst der Mann, nie von dem gehört?)

  • Weniger Volksrechte (als würde mit Herrn B. auch die Verfassung abgewählt)

  • Mehr Asylmissbrauch (als würde sich der Flüchtling zuerst fragen, wer wohl gerade Justizminister ist in der Schweiz)

  • Mehr Sozialmissbrauch (auch "Scheininvalide" warten nur auf B.'s Abgang, um dann so richtig los zu legen - IV-Revision hin oder her. Oder?)

  • Mehr Ausländer-Kriminalität (ja, auch der junge Zlatan überlegt sich genau, wie der Bundesrat zusammen gesetzt ist, bevor er beim Aldi einbricht ...)

Alles Müll? Zugegen, klingt ganz danach. Nun haben wir in der letzten Woche allerdings gesehen, dass die "Geheimplan"-Spinnerei eine clevere Strategie ist, von der Kritik der Geschäftsprüfungs-Kommission an Bundesrat Blocher abzulenken. Da muss man erst mal drauf kommen.



Und was folgt nachdem die Schweizerische Verblender-Partei ihre Verschwörungs-Theorie unter die Leute gebracht hat? Wie bei jedem Propheten, der von allen und jedem gejagt wird, folgt - die Heiligsprechung. Natürlich wieder via Inserat. Diese Woche lesen wir, was St. Christopherus dem Land schon alles geschenkt haben soll:

  • Weniger Arbeitslosigkeit (als könnte da der Justizminister was dafür und nicht Madame Weltkonjunktur, die es derzeit mit allen Industrieländern recht gut meint)

  • Steuerparadies (als hätte Herr B. die Steuersätze festgelegt und nicht etwa Kantone und Gemeinden)

  • Hohe Löhne (als würden die vom Bundesrat bestimmt und nicht vom Arbeitgeber)


Am liebsten wäre der SVP wohl, wenn alle Wähler am 22. Oktober die Frage "Blocher oder nicht Blocher" beantworten. Denn, so die Logik: die Heilsversprechen des Übervaters sind unantastbar - der Vatikan lässt grüssen. Dass es bei eidgenössischen Wahlen um Inhalte gehen müsste, das ist ... S.V.P - Sowas von piepegal.


 

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