Wahlkampfsau
Okay, es ist lange her, dass hier was Neues zu lesen war - aber hey, es war Sommer! Jetzt ist Herbst - mehr noch, es ist Wahlkampf-Herbst. Zeit für Ambitionierte, das Volk landauf, landab voll zu labern. Und: Blütezeit der Polit-Kampagnen in den Medien. Der medienzirkus wendet sich nicht angewiedert ab, er schaut hin: in der neuen Rubrik "Wahlkampfsau". Heute: die SVP.Gut, über die Volksparteiler ziehen eh alle her, is also etwas billig. Soll uns aber nicht stören. Eins muss man der Drei-Wort-Partei lassen: Mit Inseraten haben sie's wirklich drauf bei der SVP.
Erst dieser gedruckte Schrott vom "
Geheimplan gegen Blocher": Da steht zu lesen, was denn passieren wird, sollte eben dieser Herr B. im Dezember aus der Regierung fliegen. Das Schreckens-Szenario:
- EU-Beitritt (als wären wir wegen Herrn B. nicht dabei und nicht, weil das Stimmvolk dagegen ist)
- Höhere Staatsausgaben (als wäre nicht FDP-Merz Finanzminister, sondern Herr B.)
- Höhere Steuern (Hans-Rudolf Merz heisst der Mann, nie von dem gehört?)
- Weniger Volksrechte (als würde mit Herrn B. auch die Verfassung abgewählt)
- Mehr Asylmissbrauch (als würde sich der Flüchtling zuerst fragen, wer wohl gerade Justizminister ist in der Schweiz)
- Mehr Sozialmissbrauch (auch "Scheininvalide" warten nur auf B.'s Abgang, um dann so richtig los zu legen - IV-Revision hin oder her. Oder?)
- Mehr Ausländer-Kriminalität (ja, auch der junge Zlatan überlegt sich genau, wie der Bundesrat zusammen gesetzt ist, bevor er beim Aldi einbricht ...)
Alles Müll? Zugegen, klingt ganz danach. Nun haben wir in der letzten Woche allerdings gesehen, dass die "Geheimplan"-Spinnerei eine clevere Strategie ist, von der Kritik der Geschäftsprüfungs-Kommission an Bundesrat Blocher abzulenken. Da muss man erst mal drauf kommen.
Und was folgt nachdem die Schweizerische Verblender-Partei ihre Verschwörungs-Theorie unter die Leute gebracht hat? Wie bei jedem Propheten, der von allen und jedem gejagt wird, folgt - die Heiligsprechung. Natürlich wieder via Inserat. Diese Woche lesen wir, was St. Christopherus dem Land schon alles geschenkt haben soll:
- Weniger Arbeitslosigkeit (als könnte da der Justizminister was dafür und nicht Madame Weltkonjunktur, die es derzeit mit allen Industrieländern recht gut meint)
- Steuerparadies (als hätte Herr B. die Steuersätze festgelegt und nicht etwa Kantone und Gemeinden)
- Hohe Löhne (als würden die vom Bundesrat bestimmt und nicht vom Arbeitgeber)
Am liebsten wäre der SVP wohl, wenn alle Wähler am 22. Oktober die Frage "Blocher oder nicht Blocher" beantworten. Denn, so die Logik: die Heilsversprechen des Übervaters sind unantastbar - der Vatikan lässt grüssen. Dass es bei eidgenössischen Wahlen um Inhalte gehen müsste, das ist ... S.V.P - Sowas von piepegal.